Klaus-Peter Wolf: Totenstille im Watt


Klaus-Peter Wolf: Totenstille im Watt

Ärzte gehören traditionell zu den prestigeträchtigsten Berufen. Das ist nicht verwunderlich. Das lange Studium, der oftmals vorhanden Doktortitel und vor allem die Approbation schaffen Vertrauen.
Die Approbation ist die staatliche Genehmigung, überhaupt als Arzt arbeiten zu dürfen. Die Voraussetzungen hierfür sind ein abgeschlossenes Studium, gesundheitliche Eignung, ausreichend Deutschkenntnisse und letztlich darf der Arzt sich keines Verhaltens schuldig gemacht haben, dass ihn unwürdig oder unzuverlässig erscheinen lässt.
Also kann man in Deutschland allen Ärzten bedingungslos vertrauen und Betrüger haben keine Chance, weil der Staat ja darüber wacht. Könnte man meinen. Aber leider ist das nicht immer so.
2015 verurteile das Amtsgericht Konstanz eine Krankenschwester, die als Ärztin gearbeitet hatte – wegen Urkundenbetrugs. Ebenfalls eine gefälschte Approbationsurkunde ermöglichte es einem Mann 2009, monatelang als Anästhesist und Notarzt in einer Münchner Klinik zu arbeiten. Außerdem gibt es noch viele Fälle, in denen Ärzten die Approbation aberkannt wurde zum Beispiel wegen nicht ethischem Verhaltens oder Drogenproblemen.
Kriminelle Energie gehörte zu jedem dieser Fälle dazu, aber wohl keiner war so kriminell wie die Hauptfigur in Klaus-Peter Wolfs Krimi »Totenstille im Watt«: Doktor Bernhardt Sommerfeld.
Sommerfeld ist ein gescheiterter Unternehmer, der nach Ostfriesland flieht und dort betrügerischerweise als Arzt arbeitet (was mittels Urkundenfälschung ja nicht unmöglich ist), der immer ein offenes Ohr hat. Dabei bleibt es aber nicht. Er mutiert wegen Kleinigkeiten zum Serienmörder.
Und genau das machte mir beim Lesen Schwierigkeiten. Die Identifikation und die Glaubwürdigkeit mit Dr. Sommerfeld nahm mit zunehmender Lesedauer immer mehr ab. Da half es auch nicht, dass das Buch aus der Perspektive des Serienkillers geschrieben ist.
Zudem wollte bei mir einfach keine Spannung aufkommen. Es ist nun mal kein klassischer Who-done-it, bei dem der Leser zum Rätseln eingeladen wird, wer am Ende als Täter entlarvt wird.
Wer gerne darauf verzichtet und sich auf den Charakter Sommerfeld konzentriert, kann sicherlich trotzdem gut unterhalten werden.
Ich persönlich werde die Praxis von Sommerfeld nicht mehr besuchen, auch wenn ich immer wieder gerne einen von Klaus-Peter Wolfs Ostfriesenkrimis lese.

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